Home

Heilende Kunst 
 

Kunst heilt nicht, 
weil sie Geschehenes ungeschehen macht. 

Sie berührt den Menschen 
im Innersten und verwandelt ihn.

In künstlerischen Prozessen lebt eine heilende Kraft. 

Wir gestalten nicht nur am Werk, sondern immer auch gleichzeitig an uns selbst. 

Selbstbetimmte, kreative Schritte und Wege sind individuell und ermöglichen heilsame Veränderungen. Unsichtbares und Unaussprechliches kann in einen sichtbaren Ausdruck gebracht werden. Jetzt kann es erkannt und somit verwandelt werden.

In schöpferischen Verwandlungsprozessen können wir

die Starre in Bewegung bringen

die Kälte erwärmen

die innere Unruhe mildern

die Anspannung lösen

Verhärtetes rhythmisieren und verlebendigen

ein verlorernes Gleichgewicht wieder in Balance bringen

das Chaos strukturieren und Klarheit gestalten

den verloren Boden unter den Füßen stabilisieren

Haltlosigkeit überwinden

Erregung besänftigen

der Schutzlosigkeit einen sicheren Ort geben und

der Entwurzelung einen Boden für Wachstum bereiten.




Weiterbildungen, Seminare und Voträge

zur  
künstlerischen Notfall- und Traumapädagogik,
Traumakunsttherapie

und 

der Bedeutung künstlerischer Prozesse 
für die menschliche Entwicklung
 

Literatur
 

Traumatisierte Menschen haben eine existenzielle Bedrohung, Handlungsunfähigkeit und tiefe Ohnmacht erlebt. Diese Erfahrungsbilder des Überwältigtwerdens haben sich in ihre Gedanken- und Gefühlswelt eingebrannt und äußern sich bis ins Physische hinein.

Die erfahrene Kunsttherapeutin, Notfall- und Traumapädagogin und Dozentin Astrid Hansen zeigt in ihrem Buch künstlerische Methoden und Entwicklungswege auf, die der Stabilisierung dienen, eine Traumabewältigung unterstützen und posttraumatisches Wachstum fördern.

Geführte künstlerische Prozesse mit ressourcenorientierten, entwicklungsfördernden Bildern eröffnen Wege aus der Hilflosigkeit hin zu selbstbestimmtem Handeln. Sie ermöglichen es Betroffenen, eigene Kompetenzen, Potentiale und die eigene Identität (wieder) zu entdecken und stärken den Mut für weitere Entwicklungsschritte.

Zahlreiche Bildbeispiele veranschaulichen die Inhalte und eröffnen ein breites Spektrum an Grundlagen, Anregungen und Umsetzungsmöglichkeiten. Die beschriebenen Ansätze bieten vielfältige Möglichkeiten zur individuellen Weiterentwicklung und berücksichtigen Fachkräfte und Menschen ohne künstlerische Vorerfahrung sowie erfahrene Kunstschaffende.

› mit praktischen Hinweisen zur Arbeit mit traumatisierten Menschen
› Inklusive reichem Bildmaterial zu Verwandlungsprozessen
› für Aus- und Fortbildungen

erschienen im Verag Urachhaus, ISBN 978-3-8251-8026-3   

 396 Seiten, mit über 500 Abbildungen

Buchbesprechung
Malen und Zeichnen mit traumatisierten Menschen. 
Kunst als Weg zur inneren Befreiung
von Astrid Hansen

Urachhaus, 2026

Farbe und Form gegen die Erstarrung

Es gibt Bücher, die aus der Theorie heraus geschrieben werden, und solche, die aus dem Leben herausbrechen. Den Anstoß zu diesem aus dem Leben herausbrechenden Buche lieferte ein Seminar zur Notfallpädagogik im Juli 2023 in Kyjw, mitten im anhaltenden Ukrainekrieg: Siebzig Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen stellten Fragen, die kein Lehrbuch der Kunsttherapie je so gestellt hatte — Fragen wie: „Was mache ich mit einem Kind, vor dessen Augen die ganze Familie erschossen wurde?" oder „Wie kann ich unter Beschuss mit Kindern arbeiten?" Die Autorin, die in diesem Seminar die Kunsttherapie leitete und auf mehr als dreißig Jahre kunsttherapeutischer Praxis zurückblicken kann, beschreibt, wie ihr in diesem Moment die eigene Methode — mit Pinsel, Farbe oder Form — geradezu zynisch vorkam. Und doch: Sie blieb standfest und konsequent in ihrem künstlerisch-therapeutischen Ansatz. Dieses Buch bezeugt und zeigt, wie es gelingen kann.

Theorie und Praxis — in seltener Balance

Das Werk gliedert sich in zwei große Bereiche, die sich gegenseitig tragen, ohne dass der eine den anderen erdrückt. Der theoretische Teil erschließt in konzentrierter Form die Grundlagen der Psychotraumatologie: Was ist ein Trauma? Welche Typen gibt es — von der einmaligen Erschütterung bis zum komplexen, kumulativen Trauma? Wie entwickelt es sich im Zeitverlauf? Besonderes Gewicht erhalten die spezifischen Traumata von Krieg und Flucht sowie die Situation von Kindern und Jugendlichen, die eigene entwicklungspsychologische Aspekte mitbringen. Ergänzt wird dieser Teil durch eine differenzierte Darstellung von Notfallpädagogik, Traumapädagogik und Kunsttherapie — drei Felder, die das Buch erstmals in einem eigenen Konzept, der sogenannten Kunsttraumapädagogik, zusammenführt.

Der praktische Teil ist der eigentliche Kern des Buches: ein umfangreicher Katalog von Mal- und Zeichenübungen, gegliedert nach Techniken und Materialien — Formenzeichnen, Zeichnen mit Buntstiften, Nass-in-Nass-Malen mit Aquarellfarben, Wachskreiden, Pastellkreiden, Malen auf farbigen Untergründen. Hinzu kommen Kapitel über Farben, Sinneswahrnehmungen, Rituale, Motivwahl, Handführung und den Einsatz von Geschichten, Märchen und Mythen. Der Anhang bietet eine Gedicht- und Spruchsammlung sowie eine Materialliste — allesamt praktisch, allesamt sofort anwendbar. Dieser praktisch ausgerichtete Teil ist unglaublich inspirierend durch die vielen kunstvollen Beispiele und Darstellungen aus der pädagogisch-therapeutischen Praxis.

Dieses praxisnahe Buch sprengt ohne Zweifel den kunst- und traumatherapeutischen Rahmen. Denn auch jede/r Pädagog*in, Heilpädagog*in oder Künstler*in kann sich zutiefst angesprochen fühlen und aus dieser Fülle für seine Arbeit schöpfen. Es wird nämlich erlebbar, wie die Kunst dem Menschen angehört, wie sie nicht nur menschlich ist, sondern auch heilend und bildend. Es wird sogleich klar: Diese lebendige Kunst benötigen alle Menschen, alle Kinder, die in die Schule oder den Kindergarten gehen, aber auch alle Erwachsenen, die ihrer jeweiligen Arbeit nachgehen. Sind wir im Grunde nicht alle in unseren Tiefen traumatisiert? Oder jedenfalls ansatzweise? Sollten nicht alle Kinder, alle Menschen davon profitieren, damit sie wieder zu ihren eigenen, tieferen Schichten Zugang finden können? Damit sie in Kommunikation mit sich selbst kommen und erstarken können? Sind wir nicht alle grundlegend geschwächt?

Form und Farbe als Herzstück

Wer das Buch aufschlägt und querliest, wird unweigerlich beim Formenzeichnen hängenbleiben. Dieser aus der Waldorfpädagogik stammende Ansatz wird hier für die Arbeit mit Traumatisierten erschlossen und dabei auf faszinierende Weise begründet und vertieft. Geschlossene Formen vermitteln Schutz und Sicherheit; dynamisch-fließende Formen bringen die körperliche Erstarrung, die das Trauma hinterlässt, in Bewegung; Spiralen und Lemniskaten wirken regulierend auf die Atmung und das Nervensystem. All das geschieht ohne Sprache und ohne Deutung, und damit auch ohne das Risiko, traumatisierte Menschen durch narrative Verfahren zu retraumatisieren.

Das gleiche gilt für die Farbe. Mit wenigen Pinselstrichen wird gezeigt, welch enormes Potential im Umgang mit der bloßen Farbe liegt. Hören wir dazu die Autorin selbst: „Zwischen dem Licht und der Finsternis entstehen die Farben. Farben berühren unser wahrnehmendes Herz und unsere Gefühle. Sie gehen mit uns in Resonanz.“ Dann geht sie beschreibend durch den Farbenkreis, bei jeder einzelnen Farbe kurz verweilend und auf Resonanz wartend, um dann zur Darstellung von Herstellung und Anwendung überzugehen. Nun kann der Leser, die Leserin vorbereitet in die Substanz der Farben eintauchen – und es folgen Farbgespräche, Farbklänge, Farbtänze und Farbgeschichten ... .

Was diesen Ansatz gegenüber vergleichbaren Werken auszeichnet, ist die Konsequenz, mit der er niederschwellig bleibt. Die Autorin betont immer wieder, dass es um den Prozess geht — nicht um das Resultat, nicht um künstlerische Qualität. Gerade dadurch, dass kein vorheriges Können vorausgesetzt wird, entsteht ein Raum, in dem insbesondere traumatisierte Menschen Handlungsfähigkeit wiederentdecken können — jene Autonomie und Selbstwirksamkeit, die traumatische Ereignisse geraubt haben.

Und wieder kann gesagt werden: Dieses Buch ist für jede Therapeutin, jeden Pädagogen und Heilpädagogen eine wundervolle Anregung. Es kann zum Antrieb werden, die eigene Arbeit weiter zu verlebendigen und zu durchkunsten. Denn welch eine Kraft und Wirksamkeit wird doch in diesem Buch der Kunst zugesprochen!

Selbstfürsorge als ethische Haltung und Authentizität

Ein Kapitel, das oft stiefmütterlich behandelt wird, erhält hier bemerkenswert viel Raum: die innere Haltung und Selbstfürsorge der Pädagog*innen und Therapeut*innen. Wer mit schwer traumatisierten Menschen arbeitet, läuft Gefahr, selbst zu erkranken — durch sekundäre Traumatisierung, durch Burnout, durch schleichende Abstumpfung oder Ohnmacht. Die Autorin beschreibt dieses Risiko ohne Beschönigung und zeigt, wie die vorgestellten Mal- und Zeichenübungen auch für die Helfenden selbst zur Ressource werden können. Das ist keine Randnotiz — es ist eine ethische Grundhaltung, die das gesamte Buch durchzieht.

Unter den Stärken des Buches ragt die Authentizität heraus: Der Text entstand aus gelebter Praxis und liest sich entsprechend. Die zahlreichen Bildbeispiele aus Gruppen mit verschiedenen Altersklassen und Herkunftskontexten — Kinder oder Erwachsene aus der Ukraine, aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Eritrea oder auch aus Deutschland — geben dem abstrakten Konzept ein lebendiges und konkretes Gesicht, das zur eigenen Tätigkeit, zum Mitmachen anregt.

Das Buch wendet sich ausdrücklich an Pädagog*innen, Therapeut*innen, Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen, die mit (traumatisierten) Menschen arbeiten — auch solche ohne vertiefte künstlerische Vorerfahrung. Es ist kein wissenschaftliches Fachbuch und auch kein reines Kunsttherapiemanual, sondern ein Brückenschlag: zwischen Theorie und Praxis, zwischen Notfallintervention und längerfristiger Begleitung, zwischen individueller Selbstfürsorge und künstlerischer Belebung therapeutischer und pädagogischer Arbeit.

In einer Zeit, in der psychosoziale Hilfsangebote hoffnungslos überlastet sind, lange Wartezeiten auf Therapieplätze zur Normalität geworden sind und Traumata durch Krieg, Flucht, globale Krisen oder auch häusliche Gewalt, Missbrauch usw. massenhaft entstehen, hat ein solches Buch eine gesellschaftliche Dimension, die über die Fachöffentlichkeit hinausreicht. Notfall- und Traumapädagogik sind kein Luxus, wie die Autorin mit Nachdruck betont — sie sind eine gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit. Und genau dafür liefert dieses Buch ein fundiertes, erprobtes und ermutigend anwendungsorientiertes Werkzeug.

Farbe und Form gegen die Erstarrung — und es wirkt. Das zeigen die Bilder in diesem Buch auf jeder Seite. Mein Fazit: Lesen, ausprobieren, umsetzen und weitergeben.

Christoph Merholz

 

© Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten. 

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.